«Stopp Air Base Ramstein»: Was geht uns das an?

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«Stopp Air Base Ramstein»: Eindrücke von 2017. (Alle Fotos: ramstein-kampagne.eu)



«Stopp Air Base Ramstein»: Zum fünften Mal rufen die Organisatoren zum friedlichen Widerstand gegen den amerikanischen Militärstützpunkt Ramstein auf und fordern das Ende des Drohnenkriegs. Friedenskraft-Vorstandsmitglied Adrian Theilkäs erzählt im Interview, warum Ramstein uns alle etwas angeht – auch hier in der Schweiz.  


Vom 23. bis 30. Juni findet die Aktionswoche «Stopp Air Base Ramstein 2019» statt. Zum fünften Mal treffen sich Menschen aus aller Welt zum friedlichen Protest gegen den amerikanischen Militärstützpunkt in der Nähe von Kaiserlautern. Höhepunkt ist der Protestmarsch von Ramstein-Miesbach zur Militärbasis am Samstag, doch das zur Aktion gehörende Friedenscamp beginnt bereits eine Woche vorher.  

Es ist mehr als eine Protestaktion: «Stopp Air Base Ramstein» ist eine Gelegenheit für alle Teilnehmenden, sich über Frieden und Gewaltfreiheit auszutauschen, sich zu vernetzen und aus der Solidarität mit Gleichgesinnten Kraft zu schöpfen.


Wache, intelligente, aufgeweckte Leute

Im Friedenscamp treffen sich Menschen aus aller Welt zu Workshops, Vorträgen und gegenseitigem Austausch. Friedenskraft-Vorstandsmitglied Adrian Theilkäs war letztes Jahr dabei: «Die Stimmung war extrem positiv und konstruktiv. Obwohl wir alle ganz unterschiedliche Menschen waren, verband uns das gemeinsame Interesse an Frieden, Nachhaltigkeit, alternativen Lebens- und Geldformen, um nur einige zu nennen. Ich traf in Ramstein lauter wache, intelligente, aufgeweckte Leute, die etwas bewegen wollen – keine Chaoten oder Krawallmacher. Man kann sich super vernetzen, und die Aktion ist mit guten Emotionen verbunden. Es tut gut, wenn man merkt, dass man nicht allein ist.»

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Doch um was geht es nun genau bei der Aktion? Und was ist überhaupt los in Ramstein?


Ramstein als Drehscheibe für den US-Drohnenkrieg

Die 1951 eröffnete Militärbasis ist die wichtigste Relais-Station für den US-Drohnenkrieg, dem bis dato schätzungsweise gegen 20'000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Und nicht nur das: Whistleblower Brandon Bryant, ein ehemaliger Drohnen-Operateur der US-Luftwaffe, bezeichnet Ramstein als «Epizentrum aller Informationsflüsse für die Übersee-Operationen der USA».  

Friedenskraft-Vorstandsmitglieder Thomas Bissegger und Adrian Theilkäs verteilen in diesen Tagen Flyer, um über Ramstein aufzuklären. Sie werden an der Aktion in Deutschland teilnehmen und organisieren den gemeinschaftlichen Transport für alle, die mitfahren und in Ramstein ein Zeichen für den Frieden setzen wollen. Im Interview erzählt Berufsschullehrer Adrian Theilkäs, warum der Widerstand gegen Ramstein so wichtig ist – und warum er uns alle etwas angeht, auch hier in der Schweiz.

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Adrian Theilkäs, Vorstandsmitglied Friedenskraft. (Foto: Claudia Fahlbusch)

Adrian Theilkäs, du nimmst mit anderen Mitgliedern der Friedensbewegung an der Aktion «Stopp Air Base Ramstein» teil. Warum ist das wichtig?

Für den Drohnenkrieg ist Ramstein das Hauptrelais ausserhalb der Staaten. Dieser Krieg, der bereits tausende von Menschenleben gefordert hat und mitverantwortlich für die Flüchtlingsströme ist, findet im Bewusstsein der meisten Menschen gar nicht statt. Die wenigsten wissen Bescheid über das, was in Ramstein passiert.  

Das erleben wir gerade, wenn wir Flyer verteilen und über die Thematik informieren: Es ist einfach gar kein Thema. Ramstein, dabei denken die meisten erst einmal an die deutsche Musikband mit ähnlichem Namen, und dann denken sie vielleicht noch, das sei ein unbedeutendes kleines Militärflugplätzchen. Dabei ist das eine riesige Maschinerie, wo die Flugzeuge im Halb- oder Dreiviertelstundentakt starten und landen. Und was die meisten auch nicht wissen: Aktivitäten wie Drohnenkrieg und der Unterhalt einer Versorgungsstation für völkerrechtswidrige Kriege sind illegal.

 

Stichwort US-Drohnenkrieg: Was ist das überhaupt? Was passiert dabei?

Die US-amerikanischen Drohnenprogramme werden von Ramstein aus gesteuert. Seit 2001 wurden unter anderem Afghanistan, Jemen, Pakistan, Somalia, Libyen, Irak und Syrien mit Drohnen bombardiert. Drohnen sind unbemannte Kleinflugzeuge, die Bomben abwerfen. Sie töten auf Verdacht: Bei einem durchschnittlichen Drohnenangriff kommen sieben Menschen ums Leben. Das nennt man dann «Kollateralschaden». Die Leute waren halt zur falschen Zeit am falschen Ort.

 

Wer steuert diese Drohnen?

Das ist ja das Perverse daran: Der Pilot, der sie steuert, sitzt irgendwo in den Staaten und macht sich nicht die Hände schmutzig. Das ist wie ein Computerspiel. Der Drohnen-Operateur Brandon Bryant, der zum Whistleblower wurde, hat mehr als ein Dutzend Menschen in Afghanistan und Irak getötet. In Talkshows und Interviews erzählt er, was er erlebt hat, was er selbst getan hat und mit welcher Menschenverachtung in diesen Kreisen über Schicksale und über Leben und Tod, auch von Kindern, entschieden wird.

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Diejenigen, die in Ramstein protestieren – was sind das für Leute?

Es sind Menschen, die sich positiv und konstruktiv für den Frieden und für Gerechtigkeit einsetzen; Menschen jeden Alters aus völlig verschiedenen Berufen und Lebenswelten. Leider passiert es immer wieder, dass auch sie von den US-treuen Medien, und dazu gehört die Mehrzahl hierzulande, als Verschwörungstheoretiker oder Schlimmeres verunglimpft werden, damit die Aktion ihre Legitimierung und ihre Glaubwürdigkeit verliert. 

 

Ramstein ist in Deutschland, also eigentlich weit weg von uns. Warum sollte uns das kümmern – vom Drohnenkrieg jetzt einmal abgesehen?

So weit weg ist es gar nicht. Ramstein liegt gerade mal dreihundert Kilometer Luftlinie von der Schweizer Grenze entfernt. Es ist sozusagen amerikanisches Gebiet innerhalb von Deutschland. Und das notabene im Zentrum von Europa, wenn man es geografisch betrachtet. Ramstein wäre sicher ein Erstschlagsziel, falls es zum Krieg gegen Russland kommt. Die Russen wissen haargenau, was dort läuft. Und ich finde schon, dass es uns etwas angeht, wo wir doch angeblich westliche Werte wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte hochhalten.

 

Können wir überhaupt etwas unternehmen, hier in der Schweiz?

An die Demo gehen! Sich informieren, Aufklärung betreiben, und es zum Thema machen! Das ist nämlich genau das Problem: Was da in Ramstein abgeht, hat keine Dringlichkeit für uns. Die Welt dreht sich weiter.  

Allerdings hat es durchaus Folgen für uns – zum Beispiel die Flüchtlinge. Die kommen aus den Gebieten, wo diese Kriege und die Drohneneinsätze stattfinden. Da gibt es einen ganz direkten Zusammenhang. Und das ist ja dann schon ein Thema, das die Leute bewegt.

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Zur Aktion selber: Was passiert in Ramstein? Was kann man erwarten?

Es findet eine Woche lang ein Friedenscamp statt. Dort laufen viele spannende Aktionen, Workshops, Gewaltfreie Kommunikation, lauter Friedensthemen. Am Freitag Abend gibt es Vorträge, zum Beispiel von Rainer Mausfeld. Am Samstag ist die grosse Demo, da trifft man sich auf einem Platz in Ramstein-Miesenbach und geht zur Air Base. Das dauert zirka eine Stunde; danach gibt es Konzerte und Reden. Am Abend wird in Kaiserslautern ein grosses Open-Air-Konzert veranstaltet, als Finale.

 

Dann wäre die Reise nach Ramstein auch eine Möglichkeit, interessante, friedensgesinnte Leute zu treffen?

Unbedingt. Man trifft inspirierende Menschen aus aller Herren Länder, die sich dem Frieden verschrieben haben. Natürlich ist es ein Kampf von David gegen Goliath, und wir werden Ramstein nicht von heute auf morgen abschaffen. Aber immerhin ist das System noch so frei, dass man mit einer Fahne vor die Basis stehen und sagen kann: Ich bin nicht einverstanden.  

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Gemeinsam nach Ramstein!

Einige Mitglieder der Friedenskraft werden für die Aktion nach Ramstein reisen. Wer dabei sein will, meldet sich bis zum 17. Mai 2019 per Mail an ramstein(at)friedenskraft.ch. Je nach Anzahl Teilnehmender mieten wir ein Fahrzeug und teilen uns die Reisekosten.  

https://www.friedenskraft.ch/stopp-ramstein

Infos zu Unterkunft (Zeltlager möglich), Verpflegung und Ticket (zur Deckung der Unkosten, Spezialpreis für Leute mit wenig Geld) gibt es auf der Website der Aktion «Stopp Air Base Ramstein 2019», www.ramstein-kampagne.eu 

 

Mehr zum Thema Ramstein

Website der Kampagne «Stopp Air Base Ramstein» mit detailliertem Programm der Aktion und des Friedenscamps

Drohnenkrieg: Tod aus der Luft, Doku 2017 (55.34 Min.) 

Ramstein Air Base Faktencheck: Website von Pax Terra, Ramstein 

Whistleblower Brandon Bryant: What it’s like to Be a Drone Pilot (Youtube-Video) 

Drohnenreport 2019 der IPPNW 

Ramstein – das letzte Gefecht, ausgezeichnet mit dem alternativen Medienpreis 2017, in der Kategorie «Macht» (1.35,14 Min)


Eindrücke aus Ramstein, 2017

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